Unsere Wurzeln als Ensemble haben ihren Halt in einem Fundament aus Knabenchor und Kirchenmusik. Sicher, die Krone breitet sich stilistisch in viele Richtungen aus und streckt ihre neugierigsten Zweige auch in Stilistiken, die weit vom Wurzelwerk entfernt sind. Und doch gibt es immer wieder Anlässe, zu den Wurzeln zurückzukehren.

So ein Anlass war in der vergangenen Woche unser Wirken zur Karwoche. Nicht das erste Mal wurden wir für die Kirchenmusik in einem „musikalisch-liturgischen Gottesdienst am Karfreitag“ in der Cottbuser Klosterkirche angefragt. Das Format – ganz Karfreitag und ganz ohne Geläut und Orgel – hat etwas. Das Format selbst hat eine Fangemeinde, die bei (zumindest den bekannteren) Gemeindeliedern kräftig mitsingt, weil sie weiß, dass hier keine Orgel stützend einspringt.

Der Gottesdienst in Cottbus beginnt 10.00 Uhr. In der Vergangenheit haben wir es des Öfteren auf uns genommen, in Leipzig zu starten, viel zu spät zu sein, aufs Gas zu drücken und kurz vor Ankunft auf der Schnellstraßenüberführung in Cottbus noch geblitzt zu werden. Diesmal wollten wir nicht aus Leipzig starten und haben den Pfarrer gebeten, uns noch in der Nähe weiterzuempfehlen, damit wir vielleicht nicht schon 6.00 Uhr im Auto sitzen müssen. Er verpflichtete seine Tochter in Frankfurt (Oder), uns zu verpflichten. Und so kam es, dass wir unsere kleine Gottesdienst-Tour am Gründonnerstag starteten, mit Werken zu Passion und Trauer im Gepäck.

Zum musikalischen Abendmahl in Frankfurt hatte die Kirchgemeinde in die Marienkirche eingeladen, eine mittlerweile überdachte Ruine, die von der Stadt verwaltet und museal sowie als Veranstaltungsraum genutzt wird. In weiten Teilen fehlt das Gewölbe, womit der Blick freigegeben ist auf die hölzerne Dachkonstruktion. Und obwohl kein klassisches Kirchengestühl und von den mittelalterlichen Chorfenstern abgesehen kein Schmuck diesen Raum ziert, ist er doch ein beeindruckendes Zeugnis der Baukunst und lässt ehrfürchtig werden. Ein guter Rahmen, für unser Programm, das wir – und da sind sie wieder, die Wurzeln – an der liturgischen Form der Vesper orientiert haben. Mit ein bisschen Motetten-Feeling beim letzten Abendmahl.